Online Poker eBook Teil 3

Poker: Texas Holdem

Texas Holdem hat sich zur aktuell beliebtesten Pokervariante entwickelt und ist in den meisten Casinos, bei den Turnieren und den Online-Spielen am häufigsten anzutreffen. Gerade diese Spielform des Pokers gewinnt auch immer mehr Freunde. Vor allem zwei Gründe lassen sich für diesen Boom festmachen. Zum einen sind es die sehr einfach gestrickten Regeln, nach denen Texas Holdem gespielt wird. Sie sind verständlich aufgebaut und es bedarf selten mehr als einer Spielrunde, um sie zu verinnerlichen. Der zweite Grund liegt darin, dass Texas Holdem die Pokervariante ist, bei der die Spieler die meisten Informationen für den Aufbau eine Strategie erhalten. Bis zu sieben Karten kann jeder Spieler sehen. Damit ist für einen Sieg weniger Glück gefragt, denn Können und Wissen um die Statistik des Spiels. Doch so einfach das Spiel auch scheint. Experten und Profis halten Texas Holdem für die komplexeste Variante des Pokerspiels. Es wird schnell gespielt, es kann hoch gewonnen, aber ebenso sehr viel verloren werden. Ob das Spiel als angenehm oder doch eher als hart empfunden wird, hängt nicht nur von der Tagesform ab, sondern auch von der Erfahrung. Schwächen, ob körperlich oder geistig, sollte man sich nicht erlauben, wenn man auf der Gewinnerseite stehen möchte.

Vor dem ersten Spiel der Variante Texas Holdem ist es ratsam, die Regeln sehr genau zu studieren. Gespielt wird mit den normalen französischen Spielkarten. Insgesamt gibt es 52 Karten, mit denen zwei bis maximal elf Personen spielen. Das Besondere an den Holdem-Varianten ist, dass fünf Karten offen in der Mitte des Tisches liegen. Bezeichnet werden sie als Board Cards oder aber als Community Cards. Sie können von jedem Spieler benutzt werden, um ein möglichst perfektes Blatt zu erhalten. Zusätzlich hat beim Texas Holdem jeder Spieler zwei Karten, die er verdeckt erhält und die nur er kennt. Sie sind zusammen mit den auf dem Tisch liegenden Karten, deren Bild nach und nach aufgedeckt wird, die Basis für jede Strategie.

Bevor das eigentliche Spiel beginnt, muss ein Geber bestimmt werden. Dazu mischt der Croupier die Karten und lässt abheben. Jeder Teilnehmer der Pokerrunde erhält anschließend eine Karte. Derjenige mit der höchste Karte übernimmt im ersten Spiel die Rolle des Gebers oder auch Dealers und hat vor sich als Markierung den „Dealer´s Button“ stehen. Er wandert im Uhrzeigersinn mit jedem Spiel von Teilnehmer zu Teilnehmer. Die Aufgabe des Gebers hat weniger mit dem Verteilen der Karten zu tun, was nach wie vor Aufgabe des Croupiers ist, sondern mit der Reihenfolge des Setzens.

Denn zwei Spieler müssen beim Texas Holdem auf jeden Fall einen Einsatz zahlen. Dabei handelt es sich um die Blinds. Der Spieler, der links neben dem Geber sitzt, zahlt den „Small Blind“, die Hälfte des für das Spiel vereinbarten Minimum-Limits. Der nächste Spieler links vom Dealer zahlt den „Big Blind“, die volle Summe des Limits, sprich den Mindesteinsatz. Bei einem Spiel mit einem 10€/20€-Limit beispielsweise beträgt das Small Blind 5€ und das Big Blind 10€.

Erst jetzt kommen die ersten Karten auf den Tisch. Diese Runde nennt sich „Pre Flop“. Jeder Spieler erhält zwei Karten mit dem Bild nach unten. Diese Karten werden beim Texas Holdem „Pocket Cards“ oder auch „Hole Cards“ genannt. Nur dem Spieler ist bekannt, welche Karten er hat. Davon ausgehend, startet die erste Wettrunde. Den Anfang macht der Teilnehmer, der links neben dem Spieler sitzt, der das „Big Blind“ gezahlt hat. Er hat nun mehrere Möglichkeiten, auf seine beiden Karten zu reagieren. Wenn er angesichts seines Blattes keine Chance auf den Pot sieht, steigt er aus. Ansonsten kann er entweder mitgehen und einen Betrag setzen, der dem „Big Blind“ entspricht, oder den Einsatz erhöhen. In dieser Form ist nun jeder Spieler an der Reihe. Als Letzter setzt der Teilnehmer, der zu Anfang den „Big Blind“ zahlen musste. Damit ist die erste Runde beim Texas Holdem beendet. Nicht selten haben an dieser Stelle schon einige Spieler die Segel gestrichen und warten auf das nächste Spiel. Das hängt ganz davon ab, wie man die beiden Karten vor sich einschätzt. Dass bereits in dieser Bietrunde im wahrsten Sinne des Wortes hoch gepokert wird, ist eher selten der Fall.

Denn erst in der zweiten Spielrunde kommen weitere Karten auf den Tisch und lassen somit zuverlässigere Schlüsse auf die Qualität und die Erfolgsaussichten des eigenen Blattes zu. Die drei Karten, die jetzt mit dem Bild nach oben auf den Tisch gelegt werden, nennen sich „Flop“. Hat jeder Spieler sich ein Bild von den Karten gemacht, beginnt die zweite Bietrunde des Spiels. Sie fängt wieder beim Spieler an, der links vom Geber sitzt und noch aktiv am Spiel teilnimmt. Wie schon zuvor kann er nun setzen, erhöhen, aussteigen oder aber abwarten und vorerst nicht setzen. Die Höhe der Einsätze und der Erhöhungen richtet sich in dieser Runde nach dem Mindesteinsatz. So geht es im Uhrzeigersinn weiter, bis jeder Spieler entweder einen Einsatz getätigt oder aber aufgegeben hat. In der zweiten Runde lichtet sich das Feld weiter. Denn mit jeder Karte, die offen gelegt wird, können die Spieler besser kombinieren und Rückschlüsse ziehen. Das macht Texas Holdem zu einer so interessanten Poker-Variante.

Die nächste Runde wird mit der vierten Karte eingeläutet, die vom Croupier offen auf den Tisch gelegt wird. Sie heißt Turn. Damit hat jetzt jeder Spieler sechs Karten zur Verfügungen, mit denen er eine Pokerhand bilden kann. Für die Spieler zeichnet sich nun immer deutlicher ab, mit welchem Blatt sie rechnen dürfen. Vielleicht haben sie auch schon die perfekten Karten vor sich auf dem Tisch. Anmerken lassen wird sich das niemand. Erst beim Setzen, das wieder beim Spieler links vom Button beginnt, zeigt sich, wie jeder einzelne seine Gewinnchance sieht. Vom Prinzip her läuft die Bietrunde wie die vorherigen. Allerdings ändert sich das Limit. Von nun an wird mit dem oberen Satzlimit, bei einem 10€/20€-Spiel wären das 20€, gespielt. Ansonsten kann wieder jeder am Tisch entscheiden, ob er weiter macht und wie hoch er setzen möchte. Der Pot, um den es geht, wird immer größer und die Spannung steigt an.

Erst wenn die fünfte und letzte Karte offen auf den Tisch gelegt wird, der River, wissen die Spieler, ob sie bislang richtig gesetzt oder sich vielleicht überschätzt haben. Wenn nicht schon vorher, beginnt jetzt das Taktieren. Der Spieler, der als erster links vom Dealer sitzt, muss wieder beginnen. Das Limit in dieser letzten Einsatzrunde entspricht dem der vorigen Runde. Auch an den Möglichkeiten der Spieler, entweder zu halten, zu erhöhen, auszusteigen oder abzuwarten, ändert sich mit dem „River“ nichts. Diese Runde bildet im Grunde genommen den Abschluss des Spiels.

Sobald alle Spieler ihre Entscheidung getroffen haben, werden die Karten offen gelegt – falls noch mindestens zwei Spieler dabei sind. Dieser Teil des Spiels heißt nicht umsonst „Show Down“. Dabei beginnt der Spieler, der zuletzt gesetzt oder erhöht hat. Wurde im Verlauf der Runde nicht gesetzt oder erhöht, ist der Spieler neben dem Geber auch jetzt als Erster an der Reihe. Den Pot, also die Summe aller Einsätze, die in den Runden gemacht wurden, erhält der Teilnehmer mit dem besten Fünf-Karten-Blatt. Dieses Blatt kann mit den beiden eigenen Karten und den fünf, offen auf dem Tisch liegenden Community Cards gebildet werden. Diese fünf Karten darf jeder nutzen. Wird das Blatt nur mit diesen Karten gebildet, muss dieser Schritt angekündigt werden. Ansonsten würde das Weglegen der eigenen beiden Karten als Ausstieg verstanden. Die Farben der Karten, also Kreuz, Pik, Herz und Karo spielen beim Texas Holdem keine Rolle und werden im Gegensatz zu anderen Spielen nicht extra gewertet. Sollte es beim Show Down zu einem Unentschieden zwischen zwei oder mehr Spielern kommen, wird der Pot entsprechend aufgeteilt. Während der Einsatzrunden besteht zudem jederzeit die Möglichkeit, dass bis auf einen Spieler alle anderen aussteigen. Er hat in dem Fall gewonnen, auch wenn das Blatt eigentlich keinen besonderen Wert hat. Pokern hat also immer auch etwas mit Bluffen zu tun.

Poker: Seven Card Stud

Das Spiel mit dem Bluff gilt natürlich auch für die Variante des Seven Card Stud. Es gehört zusammen mit Texas Hold’em zu den bekannteren Versionen des Kartenspiels und wird viel an den Tischen der Casinos angeboten. Grundlage von Seven Card Stud sind französische Spielkarten mit 52 Blatt. Gespielt werden kann mit zwei bis maximal neun Teilnehmern, die alle auf eine möglichst gute Pokerhand hoffen. Denn darum geht es auch beim Stud-Poker mit sieben Karten.

Das Limit, das beim Seven Card Stud am häufigsten Anwendung findet, ist das Split-Limit. Spiele ganz ohne Limit gibt es bei dieser Form nur sehr selten. Das Split-Limit unterteilt sich in drei Werte wie beispielsweise 5/10/20 Euro. Die fünf Euro stehen dabei für das Ante, den Einsatz, den jeder Spieler zu Beginn der Runde zahlen muss. Das Lower-Limit oder die Small Bett sind in dem Fall die 10 Euro. Die 20 Euro stellen das Higher-Limit oder die Big Bet dar. Wichtig ist, dass jeder Spieler ein Buy In mitbringt, das sich in der Regel an einem x-fachen Betrag des Mindesteinsatzes orientiert.

Im Gegensatz zum Hold’em muss beim Seven Card Stud jeder Spieler am Anfang eine mit dem Limit festgelegte Summe in den Pot einzahlen. Dieser Betrag wird als Ante bezeichnet. Erst wenn das Geld auf dem Tisch liegt, erhalten die Spieler ihre Karten. Im Laufe des Spiels haben sie maximal sieben Karten vor sich. In der ersten Runde verteilt der Croupier von sich aus links beginnend an jeden Teilnehmer zwei verdeckte Karten aus. Sie nennen sich Hole Cards oder auch Pocket Cards. Zusätzlich bekommt jede Spieler eine offene Karte, die als Door bezeichnet wird.

Diese Karte entscheidet beim Seven Card Stud schließlich darüber, wer in der ersten Wettrunde beginnen muss. Eröffnet wird sie vom Spieler mit der niedrigsten Karte. Dabei kommt es im Fall von zwei gleichen Kartenbildern auch auf die Farbe an, in der Reihenfolge von Kreuz, Karo, Herz und Pik, wobei Kreuz am wenigsten Wert ist. Ins Spiel einbringen muss der Teilnehmer mit der niedrigsten Karte auf jeden Fall eine Forced Bet, also zumindest einen Betrag in der Höhe des Ante. Im Rahmen dieser ersten Runde darf nun maximal drei Mal der Einsatz erhöht und damit gesteigert werden. Aus einer Anfangswette von 10 Euro können somit maximal 40 Euro Einsatz in der ersten Wettrunde werden.

Ist diese Runde beendet, erhalten die Spieler eine zweite offen liegende Karte, die im Poker-Jargon als Fourth Street (fourth für die insgesamt vierte Karte) bezeichnet wird. Danach kann wieder gesetzt werden. Den Anfang macht dieses Mal der Spieler, dessen beiden mit dem Bild nach oben liegenden Karten den höchsten Pokerwert haben. Er kann entweder schieben, also ohne Einsatz weitermachen oder setzen. Ist noch kein Pärchen zu sehen, wird in Höhe des Small Bet gesetzt, anderenfalls darf der Einsatz auch dem der Big Bet entsprechen.

Haben die Spieler in dieser Runde ihre Einsätze getätigt, gibt der Croupier die fünfte Karte an jeden Spieler aus, der noch nicht aufgegeben hat. Mit ihr sind es nun drei Karten, die jeder Teilnehmer offen auf dem Tisch liegt hat. Sie heißt Fifth Street. Erneut ist der Spieler mit dem besten Blatt an der Reihe, die Wettrunde zu eröffnen. Die Einsätze in dieser Runde dürfen nun nur noch zwischen dem unteren und dem oberen Limit des Spiels liegen. Ähnlich geht es in der nächsten Runde weiter. Hier erhalten die Spieler die Sixth Street, die sechste Karte, die ebenfalls offen verteilt wird, und es beginnt erneut der Teilnehmer mit dem besten Blatt mit dem Setzen.

Die letzte Wettrunde beim Seven Card Stud sieht etwas anders aus. Auch hier erhalten die Spieler wieder eine Karte. Gemäß den vorherigen Runden wird sie im Poker mit Seventh Street benannt. Sie wird verdeckt ausgegeben. Somit hat nun jeder Spieler, der bis zu diesem Punkt durchgehalten hat, sieben Spielkarten, drei verdeckt und vier offen liegende. Jetzt kann wieder gesetzt werden, beginnend beim Spieler, der die besten Karten vor sich hat. Sollten an dieser Stelle des Spiels nur noch zwei Teilnehmer um den Pot kämpfen, können sie so oft erhöhen wie sie möchten. Erst, wenn ein Spieler nur halten und nicht weiter erhöhen möchte, wird der Schlusspunkt in dem „Seven Card Stud“-Spiel gesetzt.

Auch hier wird die letzte Runde als „Show Down“ bezeichnet. Nun muss jeder Spieler zeigen, welches Blatt er hat oder ob sein Spiel nur ein Bluff war. Mit fünf der sieben Karten kann nun jeder der Spieler seine Pokerhand bilden. Die zwei Karten, die er dafür nicht nutzt, legt er verdeckt zur Seite. Dass die Karten verdeckt sind, liegt unter anderem daran, dass sie auf die weitere Entscheidung im Spiel, auch bei einem Unentschieden, keinen Einfluss haben. Nur die fünf gewählten Karten zählen und können den Pot gewinnen.

Eng mit den Karten wird es, wenn bis zum Schluss alle Spieler über bleiben. Sollten noch acht oder neun Spieler am Tisch sitzen, reichen die 52 Karten des Spiels nicht aus, um jedem Spieler in der letzten Runde eine neue Karte zu geben. Tritt dieser Fall ein, was durchaus möglich ist, wird eine einzelne Karte mit dem Bild nach oben in die Mitte des Tisches gelegt. Sie gilt dann als Common Card. Diese Vorgehensweise ist normalerweise von den Hold’em-Varianten des Poker bekannt. Diese einzelne Karte kann nun von jedem Spieler für sein Blatt verwendet werden.

Gewonnen hat beim Seven Card Stud in der Regel der Spieler mit dem besten Blatt, sprich der besten Pokerkombination. Gibt es zwei Spieler mit gleichwertigem Blatt, tritt die Situation des Split Pot ein, bei der die gesamten Einsätze unter diesen beiden Spielern aufgeteilt werden. Natürlich können vorher andere Varianten vereinbart werden. High-Low ist nur eine Möglichkeit, die beim Seven Card Stud durchaus üblich ist. Fest steht von Anfang an, dass der Croupier fünf Prozent aller Einsätze der Runde als Taxe einbehält.

Poker: Strategien, Tipps & Tricks

Gleich, für welche Poker-Variante man sich letztlich entscheidet, es gibt für jede einzelne bestimmte Strategien, Tipps und Tricks, an die man sich halten kann, aber nicht muss. Sie versprechen zwar nicht, alle Pokerspiele erfolgreich als Gewinner zu beenden, verhelfen aber dazu, das Spiel nicht nur eindimensional zu sehen, sondern auch die bislang weniger beachteten Aspekte bei den Entscheidungen zu berücksichtigen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen bei jedem Spiel ist es, konzentriert zu sein. Wem die Nerven flattern oder wer sich nicht besonders wohl fühlt, sollte am besten gar nicht erst mit dem Poker beginnen. Beste Ausgangssituation ist in jedem Fall, ruhig und gelassen sein Spiel zu machen. Das heißt auch, nach seinen Möglichkeiten zu pokern. Dabei auch als Anfänger sofort bluffen zu wollen, geht schnell nach hinten los. Lieber einmal mehr aufgeben, als von Beginn an Unsummen zu verlieren, sollte die Devise lauten. Auf sein Bauchgefühl zu hören, kann dabei nicht schaden. Auch Fragen zu stellen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern zeigt ernsthaftes Interesse an einem spannenden Spiel.

Lehrgeld wird am Anfang jeder Spieler zahlen müssen. Denn Meister sind auch beim Poker bislang nicht vom Himmel gefallen. Deshalb sollten Anfänger sich lieber erst in Runden mit niedrigem Limit versuchen. In Spielen ohne Limit ist die Gefahr zu groß, gleich alles und damit auch den Spaß am Spiel zu verlieren. Besser ist es, mit kleinen Einsätzen Erfahrungen zu sammeln und die Verluste niedrig zu halten. Denn Erfahrung ist eines der entscheidenden Kriterien, wenn es darum geht, sich auch im Bezug auf Bluffs Wissen anzueignen.

Dabei wird sich sehr schnell zeigen, dass ein reiner Bluff nur ganz selten von Erfolg gekrönt ist. Den Pot mit einem Bluff abzusahnen, ist wirklich reine Glückssache. Viel wahrscheinlicher ist es, von einem recht schwachen Blatt geschlagen zu werden. Bessere Aussichten auf einen Gewinn verspricht der so genannte Semi Bluff, ein halber Bluff. Er lohnt sich, wenn man Karten auf der Hand hat, die an sich noch keine Chance haben, aber im Laufe des Spiels zu einem viel versprechenden Blatt werden können. Das heißt, ein Semi Bluff lohnt sich vor allem dann, wenn nach statistischer Betrachtung noch Aussicht auf eine bessere Kombination besteht.

Sehr gut üben kann man das in Spielen mit Micro-Limits. Reine Bluffs sind hier fehl am Platz, weil fast alle Spieler angesichts des geringen Einsatzes mitgehen. Und selbst wenn es nur wenig zu gewinnen gibt, gelten die ganz normalen Regeln für Poker-Spieler: Nur mit Geduld gelangt man ans Ziel. Profis gehen selbst in Runden mit Micro-Limit kein Risiko ein und machen nur dann weiter, wenn sie ein absolutes Top-Blatt in Händen halten. Andere Spieler, nicht nur Anfänger, gehen hingegen immer mit. Sie werden Calling Stations genannt und lassen sich nur schwer einschätzen.

Und genau darauf kommt es an: Sich ein Bild vom Gegner zu machen, ihn zu beobachten und seine Schwächen zu erkennen. Wer viel Online-Poker spielt, kann sich so eine kleine Datenbank aufbauen und die Erkenntnisse über die Spieler dort notieren. So kann man bei der nächsten Partie wesentlich schneller und besser reagieren, falls man einen oder mehrere Gegner schon kennt. Es bedarf jedoch sehr viel Arbeit, bis eine aussagefähige Sammlung zusammengestellt ist.

Darin einfließen kann beispielsweise auch das Setzverhalten des Gegners. Es gehört zu den wichtigsten Anhaltspunkten, die ein Spieler liefern kann. Wenn jemand von Runde zu Runde weniger bietet, also degressiv setzt, kann das darauf hindeuten, dass er auf ein gutes Blatt gehofft hat, es aber nicht komplettieren konnte. Eine andere Taktik ist das progressive Setzen. Hierbei steigert der Spieler seinen Einsatz von Runde zu Runde. Das lässt auf ein gutes Blatt schließen, kann allerdings auch zum Ziel haben, dass die anderen Teilnehmer zur Aufgabe gezwungen werden sollen. Weniger gut einzuschätzen ist ein Spieler, der sehr konstant setzt. Grundsätzlich gilt aber: Absolute Sicherheit bietet die Analyse des Setzverhaltens keinesfalls, sie ist auch nur ein Anhaltspunkt.

Bei der Beobachtung der anderen Spieler, sollte man nicht vergessen, selbst vernünftig und besonnen zu setzen. Das erweist sich vor allem dann als problematisch, wenn man zwei Karten erhält, die als „Unsuited Connectors“ gelten. Dabei handelt es sich um zwei Karten mit aufeinander folgendem Wert, aber unterschiedlicher Farbe wie etwa Pik acht und Herz neun. Sie stellen eine eher ungünstige Konstellation dar, bei der es schwer wird, ein wirklich gutes Blatt zu bilden. Leichter ist das, wenn es sich um hohe Karten handelt. Doch selbst in dem Fall sollte man beim Setzen lieber etwas vorsichtiger sein.

Nicht zu unterschätzen ist – gerade beim Online-Poker – auch der Zeitfaktor. Anfangs, wenn die Blinds noch nicht so hoch sind, kann man ruhig schnell und risikobereiter spielen. Steigen die Blinds beim Texas Hold’em mit der Zeit, gilt es, langsamer zu werden und die Zeit von rund 20 Sekunden pro Runde beim Online-Poker ganz zu nutzen. Damit zahlt man seltener das Blind und nervt seine Gegner, die dadurch schneller Fehler machen. Das passiert, weil die meisten Teilnehmer auf ein flottes Spiel mit schnellem Gewinn aus sind. Wann sich diese Spielweise rentiert, ergibt sich am besten aus der Pokerrunde.

Hat man es in einem Turnier mit seiner Taktik bis an den Finaltisch gebracht, gelten ganz neue Regeln. Hier treffen ganz unterschiedliche Spielercharaktere aufeinander. Die einen wollen den Sieg, andere nicht als erste vom Tisch gehen und der Rest liegt im Mittelfeld. Jeder Spielertyp agiert anders, vor allem aber wird das Spiel „härter“ umkämpft als in den vorangegangenen Runden. Wer sich auf Machtspielchen einlässt, kann schnell verlieren. Gegen die Sieg-Spieler sind in der Regel hohe Einsätze nötig. Die Teilnehmer aus dem Mittelfeld haben die meisten Chancen, da sie nicht viel zu verlieren haben. Und die dritte Gruppe geht gerne aufs Ganze, was ebenfalls sehr teuer kommen kann.

Riskant ist es auch, davon auszugehen, dass beim Online-Poker nur schlechte Spieler am Start sind. Das ist ein Trugschluss. Sicherlich nutzen viele Anfänger und weniger erfolgreiche Spieler die Online Variante, um Erfahrungen zu sammeln, oder weil sie sich im echten Casino nicht wohl fühlen und als Verlierer von hohen Summen nicht ins Gerede kommen wollen. Schließlich gibt es diese Probleme beim Online-Poker nicht. Hier ist man anonym, kann viel verspielen und niemanden kümmert es. Somit trifft man mit großer Wahrscheinlichkeit immer wieder auf eher schwache Spieler. Doch es gibt auch sehr viele sehr gute Spieler, die einem online schnell die Grenzen aufzeigen.

Ganz unabhängig von der Stärke der anderen Spieler ist die eigene Einstellung. Wer an den Spieltisch geht, um Verluste wett zu machen, hat meistens schon verloren, weil die Erwartungshaltung falsch ist. Das gilt auch, wenn man sich vom Spielverlauf beeindrucken lässt und mit sich hadert. Es läuft nicht immer alles so, wie man es sich wünscht. Und nur, weil man im bisherigen Spielverlauf immer Pech hatte und jetzt plötzlich einigermaßen gute Karten hat, wird man nicht zwangsläufig auch damit gewinnen. Man muss immer die gesamte Situation am Tisch im Blick behalten. Das wird zwar schwerer, wenn man beim Online-Poker an mehreren Tischen spielt, dafür erhöht man aber seine Chance, zu gewinnen. Zum anderem wird auf diesem Weg die Wartezeit bei den einzelnen Spielen verkürzt. Übertreiben sollte man es nicht. Pausen sind wichtig, man muss genug trinken (kein Alkohol) und am Anfang sollten zwei Tische parallel vollkommen reichen.

Gerade, wer an mehreren Tischen gleichzeitig spielt, muss genau wissen, wann es Zeit ist, aufzuhören, oder ob es sich lohnt, noch weiterzuspielen. Die Entscheidung, aufzuhören, fällt natürlich leichter, wenn man gewonnen hat. Hat man allerdings gewonnen, weil die Gegner schlechter sind oder schlecht spielen, und fühlt sich noch fit, wäre weitermachen eventuell die bessere Alternative.

Spielt man weiter, gibt es eine Taktik, die sich „Schwäche vortäuschen“ nennt. Sie ist mit einem hohen Risiko verbunden. Denn es hängt ganz stark von der Pokerrunde und natürlich den eigenen Karten ab, ob sich das Vortäuschen von Schwäche lohnt. Nicht immer lassen sich die Gegner davon beeindrucken. Klappt es und hat man ein gutes Blatt, sind große Gewinne möglich. Viele Gegner, darunter einige schwache, eine gute Hand und die Möglichkeit, dass alle aussteigen, sobald man setzt, gelten als Voraussetzungen für diese Taktik.

Ob man nun diese Taktik verfolgt oder eine andere, sollte man immer im Hinterkopf haben, dass es keine optimale Strategie gibt. Tipps und Tricks dienen beim Poker vor allem dazu, Wissen zu vermitteln, welches in bestimmten Situationen hilfreich ist. Poker ist ein Spiel, bei dem es darauf ankommt, jede Situation richtig einschätzen zu können. Wer möchte, kann dazu notieren, welche Blätter er hatte und mit welchem Erfolg sie gespielt wurden. Grundsätzlich aber sind es vier Fähigkeiten, die man sich aneignen sollte, um Erfolg haben zu können. Dazu gehört die Mathematik, da Poker ein Spiel ist, bei dem Statistiken und Zahlen eine große Rolle spielen. Nicht minder wichtig ist Disziplin. Sprich, man sollte ruhig spielen und wissen, wann es vorbei ist und man besser aufsteht. „Heiß laufen“ und unkontrolliert spielen, sollte man auf keinen Fall. Ein wenig Psychologie kann auch nicht schaden, um die Gegner bessern einschätzen zu können. Dazu bedarf es allerdings einiger Erfahrung. Punkt vier bildet das Wissen um Risiko und Rendite. Man muss erkennen können, wann es sich lohnt, hoch zu pokern. Dazu ist es wichtig, sich ein Limit zu setzen, die Bankroll. Hält man sich daran, ist die Gefahr, Bankrott zu gehen, nur minimal. Die besteht beim Spiel um Spielgeld zwar nicht. Dafür hilft es auch wenig. Spielgeld-Runden nehmen einen ganz anderen Verlauf als Spiele um Geld. So gewöhnt man leicht etwas an, das sich bei Pokerrunden um harte Dollar als Fehler herausstellt.

Es gibt auch so schon genug Fehler, die Anfänger machen können und besser vermeiden sollten. Dazu gehört es, jedes noch so schlechte Blatt spielen zu wollen und dabei schnell über die Bankroll zu gehen. Emotionen zu zeigen, ist ebenso ein Fehler, der nur Nachteile bringt. Ein weiteres No-Go beim Poker ist es, das Konzept der Pot Odds nicht zu verwenden. Dabei berechnet man anhand der Statistik und seiner Karten die Chance auf ein gutes Blatt und ermittelt aus dieser Prozentzahl sowie der Höhe des Pots seinen Einsatz auf die nächste Karte.

Da bei einigen Kombinationen auch die Farben der Spielkarten zählen, sollte man beim Online-Poker die Möglichkeit in Anspruch nehmen, ein vierfarbiges Kartendeck zu sehen. Man muss sich zwar daran gewöhnen, doch das geht schnell. Überbewerten sollt man Karten gleicher Farbe jedoch nicht. Typische Anfängerfehler sind zudem, sich nicht an die Etikette zu halten – die ebenso wie der Pokerjargon leicht zu lernen ist – oder aber einfach andere Spieler nachzuahmen. Und Aberglaube hat beim Poker gar nichts verloren. Man braucht zwar Glück, doch das lässt sich nicht erzwingen. Wichtiger ist es, sich an die Regeln zu halten, aufzupassen und ständig das Können zu verbessern. Nur so schafft man es, später einmal als Profi zu gelten.

Hier geht es zum PokerEbook Teil 1 …