Bluffen beim Poker

Das Pokern bietet mannigfaltige Möglichkeiten, um das Spiel an sich zu beeinflussen. Es gibt unzählige Strategien für jede Pokervariante und viele davon sind auch sehr hilfreich, wenn man sich diese zu Eigen macht. Eine Strategie, die das Pokern zu einem ganz besonderen Glücksspiel macht, ist das Bluffen. Jeder kennt diesen Begriff, der aus dem Pokerbereich stammt. Der Begriff „Bluff“ ist klar definiert und bedeutet, dass man vorgibt, eine starke Hand zu halten, obwohl man diese gar nicht inne hat. Im weiteren Sinne kann man das Bluffen auch als Betrügen ansehen, da man „falsch“ spielt. Hier ist dieser vermeintliche Betrug aber kein Betrug als solcher, sondern ein elementarer Bestandteil des Spiels an sich.

Richtiges Bluffen ist eine Kunst für sich und eine der Königsdisziplinen bei einem wirklich guten Pokerspiel. Wichtig ist, den richtigen Zeitpunkt in Verbindung mit einer ausgeklügelten Strategie abzupassen, damit der Bluff auch mit hoher Wahrscheinlichkeit gelingen kann. Ob nun ein Bluff von Erfolg gekrönt wird oder nicht, kann man als Spieler aufgrund mehrerer Kriterien überprüfen. Im Grundsatz kann man als Spieler davon ausgehen, dass ein Bluff aus folgenden Gründen erfolgreich sein wird:

Die Erfolgsaussichten sind im Verhältnis 1:3. Es geht allerdings nicht nur um den Pot-Erfolg an sich sondern auch um Informationen über seine Gegenspieler, die man sammeln muss. Die Notwendigkeit, seine Gegner genau zu analysieren, ergibt sich aus der Tatsache, dass man Entscheidungen der Gegenspieler möglichst gut und genau vorhersehen können muss. Je transparenter das Spielverhalten eines Gegners ist, desto eher kann man abschätzen, ob ein Bluff Sinn macht oder nicht. Aus diesem Grund ist das Bluffen ein absolut wichtiges Mittel, wenn man erfolgreich Poker spielen möchte. Wichtig ist, dass ein Bluff nicht zwangsläufig auch ein schlechtes, eigenes Blatt voraussetzt. Ganz im Gegenteil. Wenn man sich beispielsweise bei einem Bluff gezielt erwischen lässt, wenn man wenig Einsatz gebracht hat, führt man seine Gegner meist in die Irre und motiviert diese, auch bei einem guten Blatt an einen Bluff zu glauben, der gar keiner ist und somit sind die Ertragsaussichten deutlich höher. Gezieltes Checken oder zurückhaltendes Erhöhen sind Indikatoren für einen bevorstehenden Bluff. Dieses Wissen muss man sich zu Nutze machen und den Gegnern im Falle einer guten Hand vorgaukeln, man hätte keine gute Hand, damit diese kräftig in den Pot einbezahlen, der einem ja dann höchstwahrscheinlich gehören wird.

Wichtig ist auch zu wissen, wann man bluffen sollte und wann besser nicht. Grundsätzlich gilt, dass ein Bluff immer in Abhängigkeit zum aktuellen Spiel steht. Bei den sogenannten Low-Limit-Spielen wird ein Bluff deutlich seltener funktionieren als bei den sogenannten High-Limit-Spielen. Bei den Low-Limits wird ein Gegner eher selten folden, da er nicht sehr viel zu verlieren hat. Beim High-Limit dagegen wird ein Gegner sehr viel häufiger aussteigen, da der Verlust schnell in wahnsinnig hohe Bereiche steigen kann. Ein Bluff, der das Steigen des möglichen Gewinnes als Ziel hat, sollte bei den Low-Limits ebenfalls nicht unbedingt verwendet werden. Oft verlassen Spieler den Tisch aufgrund eines zu geringen Einsatzes. Die meisten Spieler legen ihren Fokus bei Low-Limits auf die eigene Hand. Dadurch hat man nicht viel Raum für eigene Strategien. Je höher die Limits allerdings steigen, desto wichtiger wird das maskieren bzw. verstecken der eigenen Intentionen im Spiel. Bei den sogenannten High-Rollern beobachten sich die Spieler bereits sehr akribisch, um irgendwelche „Tells“ (Informationen aus Gestik, Mimik etc.) zu erlangen, da diese für eine Spielentscheidung essenziell sind. Es liegt in der Natur der Sache, dass bei sehr hohen Einsätzen die Fold-Quote bei Bluffs extrem höher ist. Die Pot-Größe ist deshalb unheimlich wichtig. Steigt die Pot-Größe, steigt auch gleichzeitig die Erfolgswahrscheinlichkeit für einen Bluff. Ist ein Bluff die einzige Option für einen Pot-Gewinn, ist der Bluff in dieser Situation das adäquate Mittel.

Davon abgesehen hilft ein Bluff, das eigene Spiel und somit auch die Strategie zu variieren. Bei den Online Casino High-Limit-Spielen ist das absolut wichtig. Strategisch eher ungeschickt ist es jedoch, zu oft zu bluffen. Dadurch entstehen meist beträchtliche Verluste, die man für gewöhnlich nicht mehr aufholen kann. Zu einer lukrativen Spielweise führt häufig der so genannte „Semi-Bluff“. Der Unterschied zwischen einem richtigen Bluff und einem Semi-Bluff besteht darin, dass der Semi-Bluff eine deutlich erhöhte Gewinnchance mit sich bringt. Die Chance zu gewinnen, besteht beim Semi-Bluff nämlich auch dann, wenn ein Gegenspieler unerwartet nicht foldet sondern callt. Um einen Semi-Bluff zu initiieren ist es für gewöhnlich von Vorteil, wenn man seine statistischen Chancen auf einer soliden Basis ausrechnen kann. Ebenfalls gewinnbringend ist, wenn man ein Gefühl für die Dynamik des Gegenspielers hat. Reine Bluffs sollte man durchaus gelegentlich ansetzen, um die enorme Vielfalt der strategischen Möglichkeiten ausnutzen zu können.

Es gibt allerdings auch Situationen, in denen ein Bluff sehr unangebracht und stellenweise sogar ziemlich fatal sein kann. Das wichtigste Kriterium, einen Bluff nicht zu versuchen, ist, wenn zu viele Spieler noch aktiv am Tisch dabei sind. Je mehr Gegner am Tisch sind, die den versuchten Bluff callen könnten, desto aussichtsloser ist die Wahrscheinlichkeit, mit dem Bluff durchzukommen. Große Bedeutung beim Bluffen hat auch das Tisch-Image, welches man als Poker Spieler automatisch aufbaut. Hat man einmal das Image eines dauerhaften Bluffers, wird man unter Garantie sehr oft gecallt. Was auch sehr essenziell ist, ist, dass man seine Emotionen perfekt im Griff hat, um nicht lesbar zu werden. Besonders professionelle Spieler sind in der Lage, jede Kleinigkeit zu erkennen, die man preisgibt. Einmal durchschaut, wird der Profi mit Leichtigkeit in der Lage sein, den Bluffenden ins offene Messer laufen zu lassen. Hat man einen solchen Gegner am Tisch, bietet sich eher die Strategie an, einen Bluff über mehrere Runden hinweg vorzubereiten. Man gibt den Gegenspielern das Gefühl, öfter zu bluffen und „verschwendet“ dabei minimale Einsätze. Wurde man als „faules Ei“ erkannt, kann man darauf warten, eine wirklich gute Hand zu bekommen um dann mit einem Semi-Bluff einen möglichst großen Pot aufzubauen. Wichtig ist, das eigene Spiel immer möglichst variabel zu halten, um alle strategischen Möglichkeiten möglichst effizient und spielangepasst ausschöpfen zu können. Es gibt Situationen, in denen es nicht ratsam ist, zu bluffen und in denen man sich selbst zur Zurückhaltung ermahnen sollte. Vielen Spielern fällt es schwer, bei einem gescheiterten Bluff den bereits erbrachten Einsatz aufzugeben und versuchen, den Bluff trotz extrem geringer Aussichten auf Erfolg vollends durchzuziehen, was einen noch größeren Chipverlust nach sich zieht.

Eine grundsätzlich gute Strategie ist es, von einer möglichst späten Position aus zu bluffen. Wenn alle Spieler vor einem entweder checken, callen oder folden ist das in der Regel der perfekte Zeitpunkt, seinen Bluff zu versuchen, da die Wahrscheinlichkeit, dass die Gegner keine gute Hand halten, hier am größten ist. Solche Situationen muss man ausnutzen und versuchen, sich den Pot mit einem Bluff zu ergaunern.

Beim Bluffen gibt es ein kleines Paradoxon, welches man sich immer vor Augen halten sollte. Je schlechter ein Gegner ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, gegen diesen einen Bluff erfolgreich zu Ende bringen zu können. Schlechte Spieler haben eine sehr starke Neigung dazu, möglichst viele Hände zu spielen, auch wenn die Ausgangssituation dies gar nicht zulässt. So ist die Gefahr hoch, dass man von einem schlechten Spieler gecallt wird. Starke bzw. gute Spieler callen eher selten, wenn sie keine wirklich gute Hand halten oder wenn sie den Bluff-Versuch nicht durch Tells erkannt haben. Man sollte ebenfalls nicht gegen Spieler mit sehr vielen Chips bluffen. Diese können einen Verlust verkraften und die Gefahr ist groß, dass diese einen callen. Andererseits sollte man Spieler mit wenigen Chips gezielt attackieren, da diese sehr viel besser auf ihre paar verbliebenen Chips achten. Einen Bluff gegen unvorhersehbare, unkontrollierbare Spieler zu versuchen, ist spielerischer Selbstmord. Bei diesen Spielern ist die Gefahr groß, dass sie den Bluff sogar noch raisen, was bis zu einem Totalverlust des eigenen Chipstacks gehen kann.

Man sollte auch nicht bluffen, wenn die Limits am Tisch sehr niedrig sind. Bei kleinen Limits ist die Gefahr immer sehr groß, dass gecallt wird. Das liegt einfach daran, dass man im Falle eines Verlustes nicht sehr viel Wert verliert. Der Chipstack schrumpft nicht drastisch was es nicht schlimm macht, ziemlich häufig zu callen. Bleibt noch die Sache mit der Tischauswahl als solche. Man sollte sich immer zuerst einen Eindruck des Tisches als Gesamtpaket verschaffen. Ist es ein eher looser oder ein eher tighter Tisch? An einem loosen Tisch sollte man sich das Bluffen verkneifen, wenn es sich nicht um einen wirklich guten Semi-Bluff handelt, denn man wird hier immer gecallt werden. Bei einem sehr tighten Tisch kann man dagegen häufiger mit einem Bluff durchkommen, da tighte Poker Spieler dazu neigen, ihre Hand zu folden wenn es keine besonders gute Hand ist.